Beziehungsangst - Bindungsangst - Angst vor Nähe

Menschen sind normalerweise soziale Wesen. Sie brauchen Kontakte und brauchen partnerschaftliche Zärtlichkeit. Von Geburt an existiert ein tiefes, emotionales Verhältnis zu den Eltern.

Bei Menschen, die unter Beziehungsängsten leiden, hat in der Regel eine psychische Erschütterung statt gefunden, meistens schon in der Kindheit. Diese äußert sich durch leichtere Ängste bis hin zu großen Angstzuständen, je nachdem wie stark die Erschütterung war. 

Beziehungsangst/ Bindungsangst ist eine anerkannte Form der Angststörung. Es gibt starke Parallelen zu der Borderline-Störung.

 

Bei diesen Menschen sind soziale Kontakte und partnerschaftliche Beziehungen mehr oder weniger gestört. Es gibt Menschen, die so stark unter diesen Ängsten leiden, daß sie ihr ganzes Leben lang keine partnerschaftliche Beziehung eingehen können, obwohl sie sich danach sehnen. Beziehungsängste können ein ganzes Leben zerstören. Das Leiden besteht über Jahrzente oder das ganze Leben lang. Ein schlimmes Schicksal. Ist eine glückliche Partnerschaft nicht das wichtigste in unserem Leben, schließlich baut sich eine Familie aus einer gefestigten Partnerschaft auf und was bleibt uns außer die Familie im Leben? Was bleibt, wenn Familie aufgrund von Krankheit nicht möglich ist?

 

Die wenigsten sind in der Lage sich, in welcher Form auch immer, Hilfe zu suchen. Ich selbst kenne einige Menschen mit starken Beziehungsstörungen, aber keiner sucht sich selbst Hilfe. Lieber weichen sie ein Leben lang vor der Angst aus und leiden oder bleiben für immer beziehungsunfähig. 

 

Die Ängste machen sich vor Allem im Umgang mit dem Partner bemerkbar.

Je schöner eine Beziehung beginnt, desto stärker treten die Ängste bei den Betroffenen auf.

Hat man mit einem Beziehungsängstlichen zu tun, merkt man jedoch sehr schnell, daß etwas nicht stimmt und entwickelt ein Bauchgefühl, daß es mit einem selbst nichts zu tun hat.

Wird die Angst zu groß, treten Beziehungsängstliche den Rückzug an. Sie haben wenig oder keine Zeit mehr, sie sind sehr erfindungsreich dafür Ausreden zu finden. 

Nach dem Rückzug wird wieder stark die Nähe zum Partner gesucht bis dies wieder zu viel wird.  Das wiederholt sich dann ständig, mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Durch ihr außergewöhnliches Verhalten, haben die Betroffenen gleichzeitig oft Angst vor Ablehnung. Sie haben Angst davor, wie der Partner auf den ständigen Rückzug reagiert.

Ebenfalls haben sie große Angst vor dem Alleinsein. 

 

Beziehungsängstliche legen großen Wert auf persönlichen Freiraum. Sie legen sich ungern fest, feste Verabredungen werden vermieden, sie versuchen immer, sich ein Gefühl der Unabhängigkeit zu bewahren.

 

Ein weiterer Weg Distanz aufzubauen, ist Streit. Durch herbeigeführte Diskussionen und Reibungspunkte, wird die Nähe immer wieder unterbrochen, was dem Betroffenen ein Gefühl der Erleichterung verschafft, die Angst verringert sich.

 

Beziehungsangst/Bindungsangst ist eine spezifische Ausprägung der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

 

 

Die psychische Erschütterung kann durch unzählig viele Ereignisse ausgelöst werden.

Dazu zählen beispielsweise Mißbrauchserfahrungen, die Scheidung der Eltern, der Tod eines Elternteils, die Bevorzugung von Geschwistern, die Alkoholsucht eines Elternteils, durch inkonsistente Erziehung, Überbehütung oder Überforderung der Eltern und vieles mehr.

 

Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist sehr gering. Sie haben durch das Erlebte eine negative Einstellung zu sich selbst.

Sie können niemanden nahe an sich heranlassen, sie fürchten sich vor Kontrollverlust und davor verletzbar zu sein. Je geringer die Kontrolle über eine Situation ist, desto größer wird wieder die Angst der Betroffenen.

 

Sie können niemandem mehr Vertrauen, denn dieses wurde meistens mißbraucht.

Sie brauchen einen Panzer um sich herum, um das zu verhindern, was ihnen als Kind passiert ist, wo ihre Seele verletzt wurde, wo sie ausgeliefert, hilflos und wehrlos waren.

 

Festzuhalten bleibt, daß sich Beziehungsangst/Bindungsangst, sowohl im Verhalten durch Abwesenheit und Streitsucht, als auch innerlich durch Depressionen, Selbstverletzung oder verschiedene Zwänge äußern kann.

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